Die Veeh-Harfe, ein Instrument der Integration
H. Veeh
Das Instrument
Die Veeh-Harfe ist eine Weiterentwicklung alter bekannter Saitenzupfinstrumente mit Unterlegblatt. Sie besticht durch ihren hervorragenden Klang, eine elegante, dem Körper angepaßte Form und nicht zuletzt durch die einfache Handhabung.
Das Spielen der Veeh-Harfe ist leicht zu erlernen, so daß Kinder oder auch Erwachsene, die nie Gelegenheit hatten ein Instrument zu erlernen, rasch zu hörenswerten Ergebnissen gelangen.
Notenkenntnisse im herkömmlichen Sinn sind nicht erforderlich. Für das Instrument wurde eigens eine einfache und deutliche Notenschrift entwickelt. Zwischen Saiten und Instrumentoberfläche wird ein Notenblatt geschoben. Durch Anzupfen der Saiten in der vom Notenblatt vorgegebenen Reihenfolge ergibt sich die ein- oder zweistimmige Melodie. Die passenden Notenblätter kann man sich nach etwas Übung und entsprechenden Notenkenntnissen individuell herstellen.
Hermann Veeh entwickelte das Instrument zunächst für seinen geistig behinderten Sohn Andreas, dem er ein melodiefähiges Instrument an die Hand geben wollte. Für ihn und viele andere behinderte Menschen öffnete sich dadurch ein Bereich, zu dem sie bisher kaum Zugang hatten. Gemeinsames Musizieren von Menschen mit unterschiedlichen Begabungen und Fähigkeiten wird so möglich. Die jährlich stattfindenden Hofkonzerte zeigen dies in eindrücklicher Weise.
Die integrative Komponente des Instrumentes ist besonderes Merkmal und Stärke zugleich. So wird auch auf die Beteiligung behinderter Menschen an der Herstellung der Veeh-Harfen großer Wert gelegt. Die Instrumente werden in enger Zusammenarbeit mit Werkstätten für behinderte Menschen bzw. auch direkt von beschützenden Werkstätten gefertigt.
Unterdessen findet die Veeh-Harfe immer mehr Freunde bei Nichtbehinderten in Familien, Kindergärten, Schulen, Senioreneinrichtungen usw. Für Kinder ist sie erster Zugang zum Musizieren.
Für Erwachsene erfüllt sich mit dem Spiel auf der Harfe oftmals eine tiefe Sehnsucht nach Musik.
Verschiedene Modelle
Veeh-Harfen gibt es in unterschiedlichen Größen, mit unterschiedlichen Saitenabständen in verschiedenen Tonlagen. Alle Veeh-Harfen werden aus im Instrumentenbau üblichen Tonhölzern (Ahorn, Fichte) in geschwungener Pyramidalform hergestellt. Die Instrumentoberfläche ist geölt und gewachst - auf Wunsch lackiert.
Alle Veeh-Harfen sind voll chromatisch gestimmt. Jede Tonart ist möglich und es kann transponiert werden. Die Tonart wird durch seitliches Verschieben des Unterlegblattes gewählt.
Workshops
An verschiedenen Orten (u.a. Erlangen, Nürnberg und Gülchsheim) werden Kurse durchgeführt, in denen man aus vorgefertigten Teilen selbst seine eigene Harfe fertigstellen kann. Darüber hinaus lernen die Kursteilnehmer/innen das Stimmen der Harfen, sowie das Herstellen der dazugehörigen Notenblätter. Die dafür notwendigen musikalischen Grundkenntnisse werden im Kurs vermittelt.
Für interessierte Gruppen und Einrichtungen werden Baukurse ‘vor Ort’ angeboten.
Veröffentlichungen
Theo Hartogh
Musikalische Förderung geistig behinderter Menschen
Theorie und praktische Beispiele eines ganzheitlich-ökologischen Ansatzes
In diesem Buch wird eine Didaktik für die musikalische Förderung geistig behinderter Menschen entworfen, die sich am Integrations- und Normalisierungsprinzip orientiert.
In der Abgrenzung zu bestehenden pädagogischen und therapeutischen Ansätzen der musikalischen Förderung wird diese Didaktik im pädagogischen Bereich verarbeitet und anhand eines konkreten Unterrichtsbeispiels veranschaulicht und empirisch evaluiert.
Aus dem Inhalt:
Theo Hartogh ist Professor an der Katholischen Fachhochschule Norddeutschland für Musikpädagogik. Arbeitsschwerpunkt: Einsatz von Musik in der sozialen Arbeit.
Luchterhand Verlag,
1. Auflage 1998, 260 Seiten, gebunden, DM 45,- / öS 325,- / sFr 45,-
ISBN 3-472-03571-4