HOMÖOPATHIE BEI KINDERN MIT DOWN SYNDROM

Wolfgang Storm

Seit nunmehr vierzehn Jahren leite ich an der Kinderklinik des St. Vincenz-Krankenhauses in Paderborn eine Ambulanz "speziell zur medizinischen Betreuung von Kindern mit Down Syndrom". Der Schwerpunkt meiner Tätigkeit beschränkte sich dabei in den ersten Jahren auf diagnostische Maßnahmen sowie die Beratung von Eltern über weiterführende Untersuchungen und Therapien.

Mit zunehmender Erfahrung mit diesen Patienten lernte ich, daß zwar im Neugeborenen- und Säuglingsalter oft schwerwiegende organspezifische Komplikationen (z. B. Herzfehler, Fehlbildungen des Magen-Darm-Traktes) im Vordergrund stehen, daß aber der Alltag dieser und älterer Kinder zusätzlich oder auch ausschließlich durch weniger lebensbedrohliche medizinische Komplikationen geprägt ist. Häufig auftretende Infektionen der oberen Atemwege, Stuhlverstopfung oder emotionale und neurotische Störungen sind hier besonders zu erwähnen. Die Vorgeschichte vieler Patienten ließ dabei die häufig erfolglosen "schulmedizinischen" Therapieversuche vor allem hinsichtlich der Vorbeugung bzw. der Heilung chronischer, immer wieder auftretender, Probleme erkennen. Ein chronischer Schnupfen bzw. eine chronische Bronchitis konnten zwar akut durch Antibiotika behandelt werden, nach Absetzen dieser Mittel trat aber - oft nur kurze Zeit später - das gleiche Krankheitsbild erneut auf.

Auf der Suche nach alternativen Behandlungswegen stieß ich - mehr durch Zufall - auf die Homöopathie, eine Heilmethode, von der ich bis dahin nur den Namen kannte. Als "schulmedizinisch" ausgebildeter Arzt konnte ich mich mit derem theoretischen Gerüst anfangs nicht anfreunden, doch wollte ich nicht vorher verurteilen, was ich nicht selbst ausprobiert hatte.

Seit meinen ersten "Heilerfolgen" vor jetzt ca. sieben Jahren bin ich von der Homöopathie fasziniert, und ich kann auch gut "Schulmedizin" und Homöopathie in meinem täglichen, klinischen Alltag miteinander verknüpfen. Ich muß allerdings zugeben, daß die homöopathische Methode mehr und mehr mein medizinisches Denken bestimmt.

Bei der Beschäftigung mit der Homöopathie ist mir vor allem die Bedeutung des psychosozialen und lebensgeschichtlichen Gesamtzusammenhanges menschlicher Existenz für die Entstehung von "Krankheit" verdeutlicht worden. Dies gerade auch für Menschen mit einem vermeintlich genetisch fixiertem Verhaltensprogramm, das Kompromisse zwischen systemischer Kontrolle und individueller Autonomie in Frage zu stellen scheint. Soziokulturelle und biologische Wirklichkeit sind jedoch bei allen Menschen miteinander verflochten.

In diesem Seminar sollen die Grundlagen der Homöopathie erläutert und an vielen Fallbeispielen die Anwendung homöopathischer Heilmittel bei Kindern mit Down Syndrom dargestellt werden.